Vorher-Nachher-Vergleich einer Anpassung einer Ampelschaltung an der Kreuzung in Aachen
Für die Gewährleistung der Verkehrssicherheit – insbesondere für nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmer – ist es entscheidend, nicht nur Maßnahmen umzusetzen, sondern auch ihre Wirksamkeit zu überprüfen, um diese zu verstetigen. Der Nachweis der Wirksamkeit solcher Maßnahmen ist jedoch problematisch. Oft soll die Wirksamkeit anhand des Unfallgeschehens ermittelt werden. Unfälle sind jedoch seltene und oft zufällige Ereignisse, die nicht vergleichbar sind. Folglich wäre ein Nachweis nicht direkt möglich.
Mithilfe unserer KI-gestützten, optischen Detektionseinheiten können risikoreiche Verkehrssituationen oder Beinaheunfälle erfasst werden. Somit müssen wir nicht auf seltene Unfälle warten, sondern können durch die Analyse der erfassten Interaktionen eine systematische Vorher-Nachher-Betrachtung durchführen. Auf diese Weise können wir schnell und effektiv feststellen, ob eine Maßnahme die Verkehrssicherheit tatsächlich verbessert.
In diesem Blogbeitrag werfen wir einen Blick auf ein konkretes Projekt in der Stadt Aachen, bei dem wir die Umstellung einer Lichtsignalanlage (LSA) an der Kreuzung begleitet haben.
Diese Umstellung sollte potenzielle Konflikte reduzieren, insbesondere bei rechts abbiegenden Kfz-Verkehr und geradeaus fahrenden Radverkehr.
Die Ausgangssituation und das Projekt
Die Analyse konzentrierte sich auf die Interaktionen zwischen rechtsabbiegenden Kfz-Verkehr und dem geradeaus fahrenden Radverkehr. Ziel war es, die Kritikalität von Konfliktsituationen von zwei unterschiedlichen LSA-Programmen in zwei aufeinanderfolgenden Zeiträumen zu vergleichen.
- Zeitraum 1 (6. Juni 2025 bis 30. Juni 2025): Die Grünphase für den Radverkehr in Fahrtrichtung Kaiserplatz war verkürzt (18 Sekunden für Radfahrer, 42 Sekunden für Kraftfahrzeuge).
- Zeitraum 2 (30. Juni 2025 bis 13. Juli 2025): Die Grünphase für den Radverkehr wurde parallel zum Kfz-Verkehr angepasst (42 Sekunden für beide).

Die Datenerhebung
Um die Fragestellung zu beantworten, griffen wir auf unsere etablierte Methode zur Identifizierung und Analyse risikobehafteter Situationen zurück. Diese hat sich in der Vergangenheit als sehr erfolgreich erwiesen. Dabei wird der Verkehr mit unseren KI-gestützten, optischen Detektionseinheiten erfasst und die Bewegungen jedes einzelnen Verkehrsteilnehmers durch intelligente Algorithmen automatisiert analysiert. Im Rahmen des konkreten Projekts wurden die Interaktionen zwischen Rad- und Kfz-Verkehr über einen Zeitraum von sechs Wochen erfasst und eine tiefgreifende Analyse durchgeführt.
Die Analyse
Im Zentrum der Untersuchung stand die Interaktion zwischen rechts abbiegendem Kfz-Verkehr und dem geradeaus fahrenden Radverkehr. Hierfür nutzten wir die Post-Encroachment-Time (PET) als zentrales Maß für die Kritikalität (weitere Informationen zur PET finden Sie in unserem Blogbeitrag). Die PET misst die Zeitspanne zwischen dem Verlassen eines Konfliktbereichs durch einen Verkehrsteilnehmer und dem Eintreffen des nächsten – je kürzer die PET, desto höher das Risiko.
Zur detaillierten Analyse berücksichtigten wir:
- Die Trajektorienverläufe von Fahrrädern und Kraftfahrzeugen.
- Die Geschwindigkeiten der Beteiligten.
Dank unseres neu entwickelten, automatisierten Verfahrens konnten wir diese Faktoren schnell und zuverlässig auswerten. Die Verteilung der kritischen Interaktionen über die beiden Zeiträume Analysezeitraum ist in der folgenden Abbildung dargestellt. Die Skala reicht von 1 („sehr unkritisch“) bis 5 („sehr kritisch“), und die Visualisierung zeigt eine klare Verschiebung hin zu niedrigeren Werten im zweiten Zeitraum.

Es wurde außerdem eine Methodik entwickelt, die Rotlichtverstöße des Radverkehrs durch eine automatisierte Analyse der Fahrbeziehungen identifizieren konnte. Somit konnte der Einfluss der Rotlichtverstöße auf die Kritikalität einer Interaktion untersucht werden.

Ergebnisse
Kritikalität der Interaktionen:
- Die erfassten Interaktionen waren im Zeitraum 1 signifikant kritischer.
- Eine zentrale Fragestellung war: Beeinflussen Rotlichtverstöße die Kritikalität? Die Antwort war eindeutig: Rotlichtverstöße haben an der konkreten Kreuzung nachweislich das Risiko der erfassten Interaktionen erhöht.
Einfluss auf die Verkehrssicherheit:
- Das neu eingeführte LSA-Programm führte zu einer spürbaren Verbesserung der Verkehrssicherheit.
- Rotlichtverstöße des Radverkehrs werden vollständig vermieden.
- Fahrzeugführer können potenzielle Konflikte besser einschätzen, da es keine Fehlinformationen mehr gibt (z. B. durch ungleichmäßige Grünphasen).
Fazit: Warum Vorher-Nachher-Analysen unverzichtbar sind
Dieses Projekt in Aachen zeigt exemplarisch, wie unsere Analysemethode die Wirksamkeit von Maßnahmen transparent macht. Durch die Kombination aus KI-Technologie und detaillierter Datenanalyse können Städte wie Aachen fundierte Entscheidungen treffen und den Verkehr sicherer gestalten. Wenn Sie ähnliche Analysen für Ihre Kommune planen, kontaktieren kontaktieren Sie uns gerne
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